Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
9. Mai 2012 3 09 /05 /Mai /2012 13:35

Ihr armen betrogenen scheinbar Erfolgreichen der Großkonzerne, wacht rechtzeitig auf!

Eine bitter ernste Satire!

 

Ihr startet meist als Berufs-Söhne oder –Töchter ins Leben. Eure Eltern sind die kleinen oder größeren Gewinner des Kapitalismus und ihr fühlt euch als die Elite der Gesellschaft quasi per Geburtsrecht. Natürlich geht ihr bevorzugt auf Privat-Schulen und wenn ihr es euch leisten könnt auf Privat-Unis.

Ihr seit die scheinbaren Sieger der Gesellschaft, ihr heiratet meist früh und seit euch über den Sinn und das Ziel eures Lebens (Karriere machen und viel Geldverdienen) vollends im klaren. Als junge Überflieger, Senkrechtstarter oder neudeutsch High-Potentials strahlt ihr unermüdlichen Frohsinn und Energie aus, lasst keine Ängste erkennen, müsst oft lange keine Schlappen im Leben hin nehmen und Kritik oder die oft unverschuldeten wirtschaftlichen Probleme und Armut anderer interessieren euch nicht. Selber schuld sind sie in euren Augen, ihr habt es ja auch geschafft (quasi meist per richtiger Geburt). Politisch landet ihr bei der FDP oder CXU, meist schon aus Berufung in jungen Jahren. Ihr geht in die Politik nicht um die Welt zu verbessern, sondern den Status Quo, von dem ihr scheinbar profitiert, zu bewahren. Ihr könnt euch gar nicht schnell genug den Alten Herren anpassen, die vor euch denselben Weg gegangen sind.

Dabei werdet ihr im laufe der Jahre immer mehr zu selbstgerechten, hartgesottenen, aufgabenorientierten und rastlos Tätigen und zu von der Gier nach Karriere, Macht und Geld Verführten. Eure wirklichen Träume und eure wirkliche Berufung habt ihr wie jede andere persönliche oder emotionale Erwägung im Interesse eures eigenen Aufstiegs beiseite geschoben.

Nach eurem meist schnell durchgezogenen Studium und einem oft mit möglichst wenig Aufwand erworbenen Doktortitel (per Plagiat) dazu, tretet ihr dann in den Lebenszyklus eines leitenden Angestellten ein. Natürlich habt ihr meist auch einen richtigen Karriere-Fahrplan.

Mit vierzig schreibt er euch vor, dass ihr mindestens im mittleren Management einer Tochtergesellschaft seit. Ihr habt es also eilig. Dafür habt ihr statt in euren besten Jahren zu leben Tag und Nacht gearbeitet. Ihr wart auf unzähligen protzigen Firmentreffen und einigen Firmenreisen. Doch statt Spaß und Erholung war das alles Teil eurer Arbeit. Ihr habt euch wohl möglich nach jedem Gespräch Notizen gemacht mit der Gründlichkeit eines Küchenspions, der die Hirnschalen andere Leute leer kratzt. Seit am nächsten Morgen um sechs Uhr früh zum Jogging (die Frauen unter euch mit vollem Make-up) und einem Namensschild an euren Laufanzügen. Denn kein Namensschild zu tragen ist unhöflich, weil einen Namen zu vergessen, ist der schlimmste Faux pas bei einem solchen Firmentreffen. Deshalb schütz ihr euch gegenseitig. Außerdem ist das Schild das einzige Indiz, an das ihr euch halten könnt, wenn ihr strategisch überlegt, in welche Menschentraube ihr eindringen sollt. Wenn ihr dann Ende dreißig seit, würde man das nie vermuten. Ihr scheint von eurem Äußeren her in den Zwanzigern geradezu festgefroren zu sein. Mit euren Ehepartnern arbeitet ihr im Team und es ist für euch vielleicht fast unwirklich wie weit ihr gekommen seit. Mittlerweile habt ihr vermutlich schon ein paar mal die Bereiche oder gar die Firmen gewechselt. Meist bevor ihr von der (oft fehlenden oder gar negativen) Auswirkung eurer nur an der eigenen Karriere ausgerichteten Arbeit selbst betroffen wurdet. Die Wichtigkeit von strategischem Sitzen bei Anlässen aller Art und dem nach allen Richtungen den Fühler aus zu strecken, ist euch ins Blut übergegangen. Bei euren jährlichen Firmentreffen sind viele Gesichter die gleichen vom letzten Jahr, nur entweder eine Stufe höher oder auf gleicher Höhe und mit der Aussicht auf baldige Beförderung. Ihr trefft jetzt immer mehr leitende Angestellten um die Fünfzig, die im mittleren Management stecken geblieben sind und nur noch um den Erhalt ihres Status Quo kämpfen. Die erfolgreichen und erfahrenen Raubvögel, die ihr auch werdet wollt, werden sich an euch halten, so ihr denn noch zu der vielversprechenden Beute Ende Dreißig und Anfang Vierzig gehört. Die anderen, die das Rennen schon verloren haben, die mit glasigen Augen durchs leben rennen, als hätte man Frikassee aus ihnen gemacht, werden die Raubvögel glatt übergehen.

Jetzt ist die Frage, ob ihr es schafft selber ins Top-Management auf zu steigen oder auch zu den vielen frühzeitigen Verlierern gehören werdet. Nun gut, wenn ihr es geschafft habt, werdet ihr für zehn bis 15 weitere Jahre eurer Leben selber als arbeitssüchtige Raubvögel fristen dürfen. Und dann, spätestens dann erfolgt der jähe Absturz und ein trauriger Rückblick auf ein verschwendetes, betrogenes Leben:

Die Lebensform, die ihr euch in den Zwanzigern erwählt habt, in eurer Studium-Phase war das ausgestanzte Muster des erfolgreichen Top-Managers. Oberstes Ziel beruflicher Erfolg und ein Leben in materiellem Wohlstand. Dazu muss ein Partner genommen und eine Familie gegründet werden. Eine ausgedehnte Selbstverwirklichung wurde nie in Betracht gezogen. Würde man eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, würdet ihr im Nachhinein als Kosten des Erfolgs zum Beispiel den „Verlust der Freiheit als junger Mensch“, die „Entfremdung vom Ehepartner“ sowie ein „zur Routine gewordenes Sexualeben“ und „fehlende geistige Flexibilität“ nennen. Ihr wurdet zu jungdynamischen jungen-Alten.

Dann seit ihr in den Lebenszyklus der Unternehmen eingetreten, dem Lernstadium, dem Macherstadium, dem Top-Managementstadium und dem Ruhestand. Dieser überlagert die Stadien der individuellen Entfaltung und Entwicklung mit seinen eigenen Stadien. Was aber für das Unternehmen gut ist, fördert aber nicht notwendiger weise das individuelle Wohlbefinden und Lebensglück.

Im Lernstadium seit ihr damit beschäftigt, euch zu qualifizieren, um in die Reihen der Profis aufgenommen zu werden. Je nach eurer Energie, kritiklosen Loyalität und Führungsqualitäten, die ihr aufweisen könnt, und je nach der Bereitschaft, zu springen, sooft die Firma das Signal dazu gibt, werdet ihr für gewöhnlich Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig in die unteren Ränge des Managements aufgenommen.

Das anschließende Macherstadium bringt euch erhöhte Verantwortung sowie de Erregung und die Gefahr mit sich, die mit dem „Am-Drücker-Sein“ verbunden ist. Je mehr ihr euch dem Engpass nähert, der zu Führungspositionen führt, desto mehr verschärft sich der Konkurrenzdruck und wächst eure Unsicherheit. Jetzt zehrt der Profilierungsdrang eure ganze Energie auf. Viel hängt jetzt auch davon ab, an welchem Rockzipfel sprich Mentor ihr euch gehangen habt oder gehangen wurdet. Euer politisches Geschick wird von allerhöchster Bedeutung. Die von euch, die unter persönlichen Opfern erfolgreich dieses Stadium durchschreiten kommen dann in das Top-Managementstadium.

Dann kommt nur noch die Angst vor dem Ruhestand und der damit verbundenen eigenen Bedeutungslosigkeit und der Rückblick auf ein nicht gelebtes, für die Karriere geopfertes Leben.

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Pirat Parzival
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Über Diesen Blog

  • : Blog von Pirat Parzival
  • Blog von Pirat Parzival
  • : Parzival anfangs ein unerfahrener Tollpatsch geht wohlgemut auf die Suche. Sein Motto: Freiheit erreichen wir nicht, in dem wir sie abschaffen. Ein dichtender, denkender, leidenschaftlich engagierter Pirat für eine gerechtere und freiere Welt für alle! Er ist nicht immer perfekt und freut sich daher über wohlmeinende Kritik und Anregungen. Er will sich ja weiter entwickeln.
  • Kontakt