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11. April 2012 3 11 /04 /April /2012 12:13

Vor langer, langer Zeit lebten kleine. Leute auf der Erde. Die meisten von ihnen wohnten im

Dorf Swabedoo, und sie nannten sich Swabedoodahs. Sie waren sehr glücklich und liefen

herum mit einem Lächeln bis hinter die Ohren und grüssten jedermann.

Was die Swabedoodahs am meisten liebten, war, einander warme, weiche Pelzchen zu

schenken. Ein jeder von ihnen trug über seiner Schulter einen Beutel und der Beutel war

angefüllt mit weichen Pelzchen. So oft sich Swabedoodahs trafen, gab der eine dem

anderen ein Pelzchen. Es ist sehr schön, einem anderen ein warmes, weiches Pelzchen zu

schenken. Es sagt dem anderen, dass er etwas Besonderes ist es ist eine Art zu sagen "Ich

mag Dich!" Und ebenso schön ist es, von einem anderen ein solches Pelzchen zu

bekommen. Du spürst, wie warm und flaumig es an deinem Gesicht ist, und es ist ein

wundervolles Gefühl, wenn du es sanft und leicht zu den anderen in deinen Beutel legst. Du

fühlst. dich anerkannt und geliebt, wenn jemand dir ein Pelzchen schenkt, und du möchtest

auch gleich etwas Gutes, Schönes tun. Die kleinen Leute von Swabedoo gaben und

bekamen gern weiche, warme Pelzchen, und ihr gemeinsames Leben war ganz ohne Zweifel

sehr glücklich und fröhlich.

Ausserhalb des Dorfes, in einer kalten, dunklen Höhle, wohnte ein grosser, grüner Kobold.

Eigentlich wollte er gar nicht allein dort draussen wohnen, und manchmal war er sehr

einsam. Er hatte schon einige Male am Rand des Dorfes gestanden und sich gewünscht, er

könnte dort mitten unter den fröhlichen Swabedoodahs sein aber er hatte nichts, was er

hätte dazutun können und das Austauschen von warmen, weichen Pelzchen hielt er für

einen grossen Unsinn. Traf er einmal am Waldrand einen der kleinen Leute, dann knurrte er

nur Unverständliches und lief schnell wieder zurück in seine feuchte, dunkle Höhle.

An einem Abend, als der grosse, grüne Kobold wieder einmal am Waldrand stand,

begegnete ihm ein freundlicher kleiner Swabedoodah. "Ist heute nicht ein schöner Tag?"

fragte der Kleine lächelnd. Der grüne Kobold zog nur ein grämliches Gesicht und gab keine

Antwort. "Hier, nimm ein warmes, weiches Pelzchen, sagte der Kleine, "hier ist ein

besonders schönes. Sicher ist es für Dich bestimmt, sonst' hätte ich es schon lange

verschenkt." Aber der Kobold nahm das Pelzchen nicht. Er sah sich erst nach allen Seiten

um, um sich zu vergewissern, dass auch keiner ihnen zusah oder zuhörte, dann beugte er

sich zu dem Kleinen hinunter und flüsterte ihm ins Ohr: "Du, hör mal, sei nur nicht so

grosszügig mit deinen Pelzchen. Weisst du denn nicht dass du eines Tages kein einziges

Pelzchen mehr besitzt, wenn du sie immer so einfach an jeden, der dir Ober den Weg läuft,

verschenkst?" Erstaunt und ein wenig hilflos blickte der kleine Swabedoodah zu dem Kobold

hoch. Der hatte in der Zwischenzeit den Beutel von der Schulter des Kleinen genommen und

geöffnet. Es klang richtig befriedigt, als er sagte: "Hab ich es nicht, gesagt! Kaum mehr als

217 Pelzchen hast du noch in deinem Beutel. Also, wenn ich du wäre: ich würde vorsichtig

mit dem Verschenken sein!" Damit tappte der Kobold auf seinen grossen, grünen Füssen

davon und liess einen verwirrten und unglücklichen Swabedoodah am Waldrand zurück. Er

war so verwirrt, so unglücklich, d ass er gar nicht darüber nachdachte, dass das, was der

Kobold da erzählte, überhaupt nicht sein konnte. Denn jeder Swabedoodah besass einen

unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen. Schenkte er ein Pelzchen, so bekam er sofort von

einem anderen ein Pelzchen, und dies geschah immer und immer wieder, ein ganzes Leben

lang wie sollten dabei die Pelzchen ausgehen?

Auch der Kobold wusste das doch er verliess sich auf die Gutgläubigkeit der kleinen Leute.

Und noch auf etwas anderes verliess er sich, etwas, was er an sich selbst entdeckt hatte,

und von dem er wissen wollte, ob es auch in den kleinen Swabedoodahs steckte. So belog

er den kleinen Swabedoodah ganz bewusst, setzte sich in den Eingang seiner Höhle und

wartete.

Vor seinem Haus in Swabedoo sass der kleine, verwirrte Swabedoodah und grübelte vor

sich hin. Nicht lange, so kam ein guter Bekannter vorbei, mit dem er schon viele warme,

weiche Pelzchen ausgetauscht hatte. "Wie schön ist dieser Tag!" rief der, Freund, griff in

seinen Beutel, und gab de m anderen ein Pelzchen. Doch dieser nahm es nicht freudig

entgegen, sondern wehrte mit den Händen ab. "Nein, nein! Behalte es lieber," rief der Kleine,

"wer weiss, wie schnell sonst dein Vorrat abnimmt. Eines Tages stehst du ohne Pelzchen

da!" Der Freund stand ihn nicht zuckte nur mit den Schultern, packte das Pelzchen zurück in

seinen Beutel und ging mit leisem Gruss davon. Aber er nahm verwirrte Gedanken mit, und

am gleichen Abend konnte man noch dreimal im Dorf hören, wie ein Swabedoodah zum

anderen sagte: "Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes, weiches Pelzchen für Dich. Ich

muss darauf achten, dass sie mir nicht ausgehen."

Am kommenden Tag hatte sich dies alles im ganzen Dorf ausgebreitet. Jedermann begann,

seine Pelzchen aufzuheben. Man, verschenkte zwar immer noch ab und zu eines, aber man

tat es erst nach langer, gründlicher Oberlegung und sehr, sehr vorsichtig. Und dann waren

es zumeist nicht die ganz besonders schönen Pelzchen, sondern die kleinen mit schon

etwas abgenutzten Stelle.

Die kleinen Swabedoodahs wurden misstrauisch. Man begann, sich argwöhnisch zu

beobachten, man dachte darüber nach, ob der andere wirklich ein Pelzchen wert war.

Manche trieben es soweit, dass sie ihre Pelzbeutel nachts unter den Betten versteckten.

Streitigkeiten brachen darüber aus, wie viele Pelzchen der oder der besass. Und schliesslich

begannen die Leute, warme, weiche Pelzchen gegen Sachen einzutauschen, anstatt sie

einfach zu verschenken. Der Bürgermeister von Swabedoo machte sogar eine Erhebung,

wie viele Pelzchen insgesamt vorhanden waren, liess dann mitteilen, dass die Anzahl

begrenzt sei und rief die Pelzchen als Tauschmittel aus. Bald stritten sich die kleinen Leute

darüber, wie viele Pelzchen, eine Übernachtung oder eine Mahlzeit im Hause eines anderen

wert sein müsste. Wirklich, es gab sogar einige Fälle von Pelzchenraub! An dämmerigen

Abenden fühlte man sich draussen nicht mehr sicher, an Abenden, an denen früher die

Swabedoodahs gern im Park oder auf den Strassen spazieren gegangen waren, um

einander zu grüssen, um sich warme, weiche Pelzchen zu schenken.

Oben am Waldrand sass der grosse, grüne Kobold, beobachtete alles und rieb sich die

Hände.

Das Schlimmste von allem geschah ein wenig später. An der Gesundheit der kleinen Leute

begann sich etwas zu verändern. Viele beklagten sich Ober Schmerzen in den Schultern und

im Rücken, und mit der Zeit befiel immer mehr Swabedood4hs eine Krankheit, die

Rückgraterweichung genannt wird. Die kleinen Leute liefen gebückt und in schweren Fällen

bis zum Boden geneigt umher. Die Pelzbeutelchen schleiften auf der Erde. Viele fingen an

zu glauben, dass die Ursache ihrer Krankheit das Gewicht der Beutel sei, und dass es

besser wäre, sie im Hause zu lassen, und dort einzuschliessen. Es dauerte nicht, lange, und

man konnte kaum noch einen Swabedoodah mit einem Pelzbeutel auf dem Rücken

antreffen.

Der grosse, grüne Kobold war mit dem Ergebnis seiner Lüge sehr zufrieden. Er hatte

herausfinden wollen, ob die kleinen Leute auch so handeln und fühlen würden wie er selbst,

wenn er, wie das fast immer der Fall war, selbstsüchtige Gedanken hatte. Sie hatten so

gehandelt! Und der Kobold fühlte sich sehr erfolgreich.

Er kam jetzt häufiger einmal in das Dorf der kleinen Leute. Aber niemand grüsste ihn mit

einem Lächeln, niemand bot ihm ein Pelzchen an. Stattdessen wurde er misstrauisch

angestarrt, genauso, wie sich die kleinen Leute untereinander anstarrten. Dem Kobold gefiel

das gut. Für ihn bedeutete diese s Verhalten die "wirkliche Welt"!

In Swabedoo ereigneten sich mit der Zeit immer schlimmere Dinge. Vielleicht wegen der

Rückgraterweichung, vielleicht aber auch deshalb, weil ihnen niemand mehr ein warmes,

weiches Pelzchen gab wer weiss es genau? starben einige Leute in Swabedoo. Nun war

alles Glück aus dem Dorf verschwunden. Die Trauer war sehr gross.

Als der grosse, grüne Kobold davon hörte, war er richtig erschrocken. "Das wollte ich nicht",

sagte er zu sich selbst, "das wollte ich bestimmt nicht. Ich, wollte ihnen doch nur zeigen, wie

die Welt wirklich ist. Aber ich habe ihnen doch nicht den Tod gewünscht." Er überlegte, was

man nun machen könnte, und es fiel ihm auch etwas ein.

Tief in seiner Höhle hatte der Kobold eine Mine mit kaltem, stacheligen Gestein entdeckt. Er

hatte viele Jahre damit verbracht, die stacheligen Steine aus dem Berg zu graben und sie in

einer Grube einzulagern. Er liebte dieses Gestein, weil es so schön kalt war und so

angenehm prickelte, wenn er es anfasste. Aber nicht nur das: Er liebte diese Steine auch

deshalb, weil sie alle ihm gehörten und immer, wen er davor sass und sie ansah, war das

Bewusstsein, einen grossen Reichtum zu besitzen, für den Kobold ein schönes,

befriedigendes Gefühl.

Doch jetzt, als er das Elend der kleinen Swabedoodahs sah, beschloss er, seinen

Steinreichtum mit ihnen zu teilen. Er füllte ungezählte Säckchen mit kalten, stacheligen

Steinen, packte die Säckchen auf einen grossen Handkarren und zog damit nach,

Swabedoo.

Wie froh waren die kleinen Leute, als sie die stacheligen, kalten Steine sahen! Sie nahmen

sie dankbar an. Nun hatten sie wieder etwas, was sie sich schenken konnten. Nur: Wenn sie

einem anderen einen kalten, stacheligen Stein gaben, um ihm zu sagen, dass sie ihn

mochten, dann war in ihrer Hand und auch in der Hand desjenigen, der den Stein geschenkt

bekam, ein unangenehmes, kaltes Gefühl. Es machte nicht so viel Spass, kalte, stachelige

Steine zu verschenken wie warme, weiche Pelzchen. Immer hatte man ein eigenartiges

Ziehen im Herzen, wenn man einen stacheligen Stein bekam. Man war sich nicht ganz

sicher, was der Schenkende damit eigentlich meinte. Der Beschenkte blieb oft verwirrt und

mit leicht zerstochenen Fingern zurück.

So geschah es, nach und nach, immer häufiger, dass ein kleiner Swabedoodah unter sein

Bett kroch, den Beutel' mit den warmen, weichen Pelzchen hervorzog, sie an der Sonne ein

wenig auslüftete, und, wenn einer ihm einen Stein schenkte, ein warmes, weiches Pelzchen

dafür zurück gab. Wie leuchteten dann die Augen des Beschenkten! Ja, mancher lief schnell

in sein Haus zurück, kramte den Pelzbeutel hervor, um auch an Stelle des stacheligen

Steines ein Pelzchen zurückzuschenken. Man warf die Steine nicht fort, o nein! Es holten

auch nicht alle Swabedoodahs ihre Pelzbeutelchen wieder hervor. Die grauen, stacheligen

Steingedanken hatten sich zu fest in den Köpfen der kleinen Leute eingenistet. Man konnte

es aus den Bemerkungen heraushören:

 Weiche Pelzchen? Was steckt wohl dahinter?

 Wie kann ich wissen, ob meine Pelzchen wirklich erwünscht sind?

 Ich gab ein warmes, weiches Pelzchen, und was bekam ich dafür? Einen kalten, stacheligen

Stein!

 Das soll mir nicht noch einmal passieren.

 Man weiss nie, woran man ist: heute Pelzchen, morgen Steine.

Wahrscheinlich wären wohl alle kleinen Leute von Swabedoo gern zurückgekehrt zu dem,

was bei ihren Grosseltern noch ganz natürlich war. Mancher sah auf die Säckchen in einer

Ecke seines Zimmers, angefüllt mit kalten, stacheligen Steinen, auf diese Säckchen, die

ganz eckig waren und so schwer, dass man sie nicht mitnehmen konnte, Häufig hatte man

nicht einmal einen Stein zum Verschenken bei sich, wenn man einem Freund begegnete.

Dann wünschte der kleine Swabedoodah sich im geheimen und ohne es je laut zu sagen,

dass jemand kommen möge, um ihm warme, weiche Pelzchen zu schenken. In seinen

Träumen stellte er sich vor, wie sie alle auf der Strasse mit einem fröhlichen, lachenden

Gesicht herumgingen und sich untereinander Pelzchen schenkten, wie in den alten Tagen.

Wenn er dann aufwachte, hielt ihn aber immer etwas davon zurück, es auch wirklich zu tun.

Gewöhnlich war es das, dass er hinausging und sah, wie die Welt "wirklich ist"!

Das ist der Grund, warum das Verschenken von warmen, weichen Pelzchen nur noch selten

geschieht, und niemand tut es in aller Öffentlichkeit. Man tut es im geheimen und ohne

darüber zu sprechen. Aber es geschieht! Hier und dort, immer wieder.

Ob Du vielleicht auch eines Tages ... ?

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  • : Parzival anfangs ein unerfahrener Tollpatsch geht wohlgemut auf die Suche. Sein Motto: Freiheit erreichen wir nicht, in dem wir sie abschaffen. Ein dichtender, denkender, leidenschaftlich engagierter Pirat für eine gerechtere und freiere Welt für alle! Er ist nicht immer perfekt und freut sich daher über wohlmeinende Kritik und Anregungen. Er will sich ja weiter entwickeln.
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